Auswirkung von „Religion“

Artikel zur Auswirkung von „Religion“ und meine Kommentierung hierzu:

Siehe: http://www.heise.de/tp/artikel/40/40768/1.html

Zitat/Auszug:

„Kampf der Religionen nimmt zu

Nach einer Pew-Studie führt die Religion weltweit zu mehr Konflikten,
gleichzeitig werden Anhänger von Religionen auch stärker eingeschüchtert oder staatlich reguliert

Gern verkünden die Vertreter von Religionen, dass diese befrieden. Aber weil Religionen stets eigen ist, ihren Anhängern ein besseres Schicksal dank des jeweiligen "Herrn" zu versprechen, stehen diese notwendig in Konkurrenz zueinander. Dazu kommt, dass andere Religionen bestenfalls als Irrwege, meist aber als Götzendienste und ihre Anhänger als Ungläubige verstanden werden. Sie kann man entweder missionieren oder
aber auch als Feinde oder weniger wertvolle Menschen betrachten.

Dass Religion auch im keineswegs aufgeklärten 21. Jahrhundert noch für Kriege und Gemetzel sorgen, macht eine Pew-Studie[1] klar. Schlimmer noch, die religiösen Konflikte nehmen zu.“
......


Meine Kommentierung hierzu:

Eigentlich handelt es sich hierbei ja um eine Binsenweisheit: Schon immer standen Religionen insbesondere die (beim Christentum eher verlogenen - Trinität, Maria und Heilige) "monotheistischen" aufgrund ihres Wahrheitsanspruchs in Konflikten - auch gewalttätigen - mit einander.

Richtig ist - Zitat vom Ende:

"Haben Aufklärung und Säkularisierung an Einfluss verloren? Werden die Menschen ängstlicher und klammern sich stärker an Religionen, die Unsicherheit mit der religiösen Regeldichte für das Alltagsleben bekämpfen? Dafür spricht, dass auch hierzulande die religiösen Rückzuggebiete wie Sexualität, Ehe, Reproduktion, Sterbehilfe für Aufregung sorgen und die Ablehnung der Anderen wächst?"


So ist es in der Tat.
Die Aufklärung muss bei realistischer Betrachtung heute als letztendlich gescheitert betrachtet werden! Das Wissen gerade auch um Religion hat seit der Zeit der französischen Philosophen im Vorfeld zur Revolution zwar um ein Vielfaches zugenommen, aber das aufklärerische Interesse ist noch um ein Mehrfaches gesunken.

Weil die Menschen offenbar mit der Aufforderung, sich ihres Verstandes zu bedienen, überfordert sind, oder weil niemand Interesse hat, über Religion „aufzuklären“. Schließlich hat sich Religion stets als einfachstes und radikalstes Mittel zur Festigung der Hörigkeit und zur Lenkung der Untertanen erwiesen. „Wer glaubt, will nicht wissen, was wahr ist“ - wie schon Nietzsche feststellte.

Das sieht man schon daran, dass nahezu alle führenden Politiker in Deutschland in einer der Großkirchen nicht nur Mitglied, sondern auch Posteninhaber sind. Auch heute ist es immer noch schwierig, sich als Atheist zu outen. In dieser lächerlichen und absurden Geistesverfassung befindet sich leider unsere Gesellschaft. Gegen den "Gotteswahn" ist nicht anzukommen. Dass die Frage nach „Gott“ eine ganz andere als die Frage nach einem „alttestamentarischen oder neutestamentarischen Gott“ ist, fällt trotz ihrer Schlichtheit dabei den allermeisten noch nicht einmal auf. Da mag man Irrtümer und Fälschungen, Erfindungen aufdecken, wie man will - es nutzt nichts!

Bezeichnend ist ja, dass gerade die bildungsfernen Schichten immer zu den radikalsten Glaubensverfechtern gehören. Bildung und Religion verträgt sich traditionell nicht. Dass einige "Gescheite" genau dies ausnutzen, ist keine Widerlegung. Das einige oder gerade die "Ganz-Gescheiten" sich "einpassen", leider auch nicht. Die Menschen verstehen die Welt und die Vorgänge nicht mehr. Eine Abhöraffäre von gigantischem und verfassungswidrigem Ausmaß interessiert nur einen ganz kleinen Kreis. Das einzige, was in dieser erlebten Machtlosigkeit vermeintlich als Sicherheit und soziales Bindeglied geblieben ist, ist ihr „Glaube“. Dieser wird als "Persönlichkeitsmerkmal" frühkindlich indoktriniert und einem Gläubigen seinen Glauben ausreden zu wollen, ist so, als würde man ihm vorschlagen, sich einen Arm amputieren zu lassen. Der Glaube ist genauso Bestandteil seiner Person geworden wie die Sprache – nur mit dem Unterschied, dass er sich bei seiner Sprache dessen bewusst ist.  Auch diese wird niemand "vergessen", nur weil er auch eine andere gelernt hat. Über den Inhalt von Religionen spricht man unter Gläubigen übrigens nicht, weil man zum einen eigentlich gar keine Ahnung von sämtlichen (!) Inhalten hat oder weil sich zwangsläufig sofort erhebliche Differenzen ergeben würden. Der Vergleich mit Sprachen hinkt nur deshalb, weil man bei Sprachen noch von einem "sowohl - als auch", beim Glauben definitiv genau davon nicht sprechen kann, sondern nur von einem Ausschlussprinzip. Schließlich kann man nicht gleichzeitig Christ und Muslim sein. Die Hürden für Bildung sind für viele Menschen auch in den „christlichen“ sogenannten Schwellenländern zu hoch, da ihr Staat dafür kein Geld dafür hat und vor allem weil keine Religion - und schon gar keine herrschende - auf Bildung ihrer Gläubigen Wert legt. Ein islamkritisches Buch im Jemen oder in Saudi-Arabien in einem Schaufenster??

Zum Islam ist einfach anzumerken, dass er eben historisch rund 500 Jahre hinter dem Christentum herhinkt. Schiiten und Sunniten tun das, was früher Christen untereinander taten. Protestanten und Katholiken sind heute "versöhnlich", weil sie sich ihre Pfründe nicht mehr gegenseitig streitig machen müssen, sondern erkannt haben, dass sie das gleiche Ziel - eigene Versorgung und Macht - besser gemeinsam erreichen, in dem sie den Staat ausnehmen. Ich habe leider noch nirgends lesen können, dass gerade das Toleranz-Phänomen, dass die Aufklärung ins Spiel gebracht hat, genau unter diesem Gesichtspunkt in die historischen Bewertungen eingeflossen wäre. Gerade Deutschland ist das beste Beispiel, wie sich durch staatliche Alimentation (Milliarden!) das theologische Konfliktpotential deutlich entschärfen lässt. Man sehe sich nur einmal die unsäglichen Konkordate und Schulverträge und damit Privilegien an. Würden andere Staaten ebenfalls ihre Religionen ähnlich üppig bedienen, so würden die Konflikte ebenfalls nachlassen, da die jeweiligen Eliten eben - in diesem Fall im Ergebnis positiv - eben vor allem bestechlich sind.

Mit Grausen kann ich auch nur an die nächste Veröffentlichung denken, die untersucht, "was Menschen so glauben". Die Einfalt regiert die Welt, und das bleibt so. Dass die Erde nach der überwiegenden Meinung der Befragten doch eine Scheibe sei, dürfte dann wieder mal noch das Harmloseste sein.


Roland Weber