Worte, die geistige Wirklichkeiten schaffen

Auch Nicht-Christen lassen sich öfter in ein christliches Weltbild involvieren, als es ihnen bewusst ist. Das fängt bei der Verwendung von Begriffen an, die ungeachtet ihres „Realitätscharakters“ als vorstellungswirksames Medium bewusstseinsbildend wirken. Wer von „verhext“ oder „einem wahren Teufelskerl“ (als Anerkennung!) oder von „Gott sei dank“, „Gott bewahre“ oder einem in Süddeutschland und Österreich gebräuchlichen „Grüß Gott“ spricht, wer von „Sekten“ und „Ketzern“ spricht, der bringt damit zum Ausdruck, dass er hier Denkschemata als „Realitäten“ vorhält, die durch diesen Wortgebrauch dann tatsächlich wieder Realität entstehen lassen. Darüber kann man durchaus einmal nachdenken. Nicht immer fällt der „Aberglaubens-Bezug“ so auf, wie bei einem Amtseid mit einem „So wahr mir Gott helfe.“

Auch wenn man in irgendeinem Zusammenhang von „Aberglaube“ spricht, nimmt man ungewollt mit der unbedachten Sprache dafür Partei, dass es davon unterscheidbar einen „Glauben“ gäbe. Man ergreift so – unbewusst – verbal vorstellungsschaffend Partei. Dies sollte man nicht allzu leichtfertig als unwesentlich abtun. Gedanken werden zu Worten, aber auch Worte werden zu Gedanken. Auch wenn dies z.B. innerhalb einer rein christlich-atheistischen Diskussion wenig zur Verwirrung beiträgt. Falsch und ungerechtfertigt ist dies aus Sicht eines „Atheisten“ allemal. Schließlich sollte ein Atheist nur einen Aberglauben kennen, nicht aber einen Glauben. „Glauben“, dass ist eine religiöse Vorstellung. Und das gilt übrigens auch für den Begriff „A-Theist“. Mit der Bezeichnung „A-Theist“ wird kundgetan, dass jemand nicht an den – christlichen! - Gott glaubt. Der Begriff leitet sich ja vom lateinischen „Deus“ ab, so dass ein nicht an irgendeinen Gott Glaubender – so wie der Begriff ja umfassend verwendet wird - eigentlich Adeist genannt werden müsste. Er steht ja nicht nur im Gegensatz zum Theisten (Gott greift in die Weltenlenkung ein), sondern geht ja darüber hinaus, indem er jeglichen Beitrag eines (dann passiv bleibenden) „Gottes“ verneint. Dem Deisten steht der Agnostiker nahe. Aber kurz: Einen Theus oder einen Theo gibt es nicht – wie treffend! – sondern eben immer nur einen „Deus“. „Deo gratias“ (Nicht: Theo ...!) heißt demzufolge „Gott sei Dank“! Aber mit dieser merkwürdigen Schummelei mögen sich Theisten und Deisten als Gottesbekenner befassen. Vielleicht soll das „T“ eine „härtere“ Botschaft darstellen als ein „D“ - ich weiß es nicht! Jedenfalls wird aus diesem sprachüblichen „A-Theist“ folglich geschlossen, wenn auch unbewusst, dass es diesen einen „Gott“ aber durchaus gibt. Jemand „glaubt“ als A-Theist eben nur nicht daran. Ein wohl mehr individueller psychischer Defekt! Hier wird das Spiel sozusagen umgedreht und damit einer vermeintlich objektiven Tatsache oder Wahrscheinlichkeit das Wort geredet. Einen A-Theisten könnte es aus Sicht eines Atheisten eigentlich gar nicht geben. Da niemand beschreiben oder erläutern kann, was denn Gott eigentlich sein sollte, vor allem dieser merkwürdige, unvereinbar widersprüchliche der Bibel, kann man auch nicht erläutern oder beschreiben, was denn dann ein Atheist sein soll. Wer nicht das eine festlegen kann, kann auch nicht das gedankliche Gegenteil festlegen. In diesem Zusammenhang von „unermesslichen Ratschlüssen, Unergründlichkeit“ oder ähnlichen zu reden, belegt genau dies nur allzu deutlich. Auch die Verwendung des Begriffs „Häretiker“ (Abweichler) impliziert, dass man damit einen vorauszusetzenden (wahren) Kern und damit einen „Abweichler“ innerlich akzeptiert hat. Oft wäre z.B. die Bezeichnung „Ethiker“ an dieser Stelle viel zutreffender. Für das Wort „Atheist“ wird sich wohl nur schwer eine einleuchtende und neue Bezeichnung finden lassen, da sie zu sehr im Sprachgebrauch verankert ist (vgl. aber unten) und man gerade aus pro-religösen Gründen auch hier natürlich auf keinen Fall auf die dabei mitschwingende „Minderwertigkeit“ verzichten möchte. Wer dies für übertrieben erachtet, der sollte bedenken, dass es in den USA vollkommen undenkbar wäre, dass sich ein Präsidentschaftskandidat als „Frei-Religiöser“ oder „Ungläubiger“ präsentiert. Das müsste sich nicht einmal in einem Wahlprogramm niederschlagen, es würde genügen, dass er dies bei kleinstem Anlass auch einmal nur beiläufig so erwähnt. Können Sie sich in Deutschland einen Kanzlerkandidaten oder auch Kandidatin vorstellen, der/die erwähnt, dass sie selbst nicht von der heilsamen Wirkung religiöser/christlicher Vorstellungen überzeugt ist? Schlimmer als Andersgläubigkeit ist immer noch eine Ungläubigkeit. Und wenn man erst einmal verstanden hat, dass es in hundert Jahren vielleicht einen muslimischen Bundeskanzler, aber nie und nimmer einen religiös ungebundenen oder distanzierten Kanzler geben wird, hat verstanden, wie Religionen und ihre subversive Denkweisen „fruchten“. Aber bei der Recherche bin ich bei Wikipedia dann auf die alternative Bezeichnung Anti-Theist gestoßen. Dieser Begriff hat mir deshalb gut gefallen, weil dann nicht ein imaginärer „Deus“/Gottwesen als Gegner in den Blick rückt, sondern vielmehr ein bzw. die Theist/en – und das gibt den Sachverhalt allemal korrekter wieder als die anderen Begriffsvernebelungen.

Die Hinweise auf diesen „unseligen“ Sprachgebrauch gilt z.B. auch, wenn man gar im Rahmen eines (bzw. des öfteren) religionskritischen Buchs vom heiligen Paulus, vom Heiligen Geist oder vom Heiligen Vater (sprich Papst) oder gar einem Heiligen (!) Stuhl spricht. Mit der Zuordnung zur „Heiligkeit“ akzeptiert man damit letztlich auch als Ungläubiger das „Besondere“ der Genannten. Und genau dies ist absurd. Mensch bleibt Mensch, Vater Vater, Stuhl Stuhl und nichts wird durch nichts „heilig“ - und schon gar nicht, wenn diese Erweiterung womöglich gleichzeitig mit seiner Eigenschaft als Lügner, Betrüger, Urkundenfälscher, Mörder oder gar Kriegstreiber und Völkermörder genannt wird - oder genau dies dem bekannten und erforschten historischen Sachstand entspricht. Egal, was er sonst sagt, der Autor, der die Heiligkeit einer Person so womöglich unbewusst anerkennt, verrät damit bereits unbeabsichtigt sein Anliegen. „Verraten“ übrigens im Sinne von „Widerspruch“ und nicht im Sinne von „Vorab-Ankündigung“! Diesen Unterschied in den Glaubensstufen zwischen Glauben und Aberglauben gibt es eben nicht und dieser vermeintliche Unterschied wurde genau deshalb zur Diffamierung anderer religiöser Sichtweisen geschaffen: Jeder Glaube ist Aberglaube – und zwar hier genau in der Bedeutung, in der dieser Aber-Begriff geschaffen wurde. Dies hat m.W. Karlheinz Deschner zum ersten Mal in dieser Klarheit ausgesprochen. So ziemlich alles, was „geglaubt“ wird oder wurde, hat sich bei näherer Untersuchung als erfunden, erlogen, schlicht als unwahr erwiesen. Deshalb ist es schlichter Unsinn, zwischen Glauben und Aberglauben unterscheiden zu wollen.  Bei „Natur-Religionen“ oder sonstigen Religionen jedweder Art, leuchtet dies einem „christlich-abendländlich-sozialisierten“ unabhängig vom eigenen Aberglauben sofort ein. Schwer tun sich die Christen mit dieser Bewertung jedoch untereinander, auch wenn sie sich in der Geschichte schon diffamierend, beleidigend und nicht zuletzt mörderisch begegneten. Wie abergläubisch der eigene Aberglaube ist, wird geflissentlich ignoriert bzw. liegt sozialisationsbedingt außerhalb der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit. Man „ist“ Christ und muss zur Selbsterhaltung und als Abwehr daran festhalten.

Aber auch abgesehen von dieser Frage, läuft man aufgrund der gewohnten „Umgebung/Kultur“ ständig Gefahr, auch andere Bewertungen zu übernehmen, die letztlich „aus religiösen Motiven“ heraus geschaffen wurden. Als Beispiel seien hier einmal „die Großen“ angeführt. Dass damit keine Körpergrößen gemeint sind, ist jedem natürlich sofort klar – aber welche „Größe“ ist denn gemeint? Unbewusst wird man hinzudenken wollen, „für den Fortschritt der Menschheit“, „für die Ausbreitung der Kultur“, „für die gute Sache“ - oder was auch immer. Positiv besetzt jedenfalls. Aber Vorsicht!

Im Angebot hat man dann z.B.

Alexander der Große
Herodes der Große
Konstantin der Große
Otto I. der Große
Papst Leo der Große
Papst Gregor der Große
Karl der Große
und viele andere, auf die ich nicht eingehe

Diese „Größen“ sollte man sich einmal vergegenwärtigen und dabei z.B. Nachweise im Internet, z.B. bei Wikipedia, anschauen. Man wird sich schwertun, selbst diese „Größen“ nachzuvollziehen, da man ja eine eigene oder eine nachvollziehbare Vorstellung von „Größe“ hat. Aber wenn man versucht, eine objektive Beschreibung oder Bewertung dieser „Größe“ zu finden, wird man nichts Überzeugendes finden, aber zwangsläufig auf die dann nachvollziehbare Bewertung nach rein kirchlichen Interessen stoßen! Da über hunderte von Jahren nach der christlichen (!) Vernichtung des antiken Bildungsgutes und der bewusst in Kauf genommenen Verdummung der Menschen allein den Klöstern und Kleriker zu beschreiben und zu bestimmen überlassen blieb bzw. diese Machtstellung ja bewusst geschaffen wurde, waren sie es, die „Größe“ bestimmten. Und dass „Größe“ für die römische Kirche immer ihre eigene Größe war, sprich Sicherung und Schaffung von Macht und Vermögen. Wer hier „Großes“ leistete, war ein „Großer“. Dass dabei viel Unrecht, Kriminelles oder Menschenfeindliches zu verzeichnen war, wird bis heute im Rahmen eines „common sense“ vollkommen ausgeklammert.

Die ersten beiden scheinen auf den ersten Blick nicht in diese Sichtweise hineinzupassen. Schließlich konnten ja weder Alexander noch Herodes für „die römische Kirche“ etwas Positives bewirkt haben, da das Christentum ja noch gar nicht erfunden und/oder seine Kirche installiert waren. Auch wenn dies natürlich richtig ist, so hatten sie durch ihre Werke doch „mittelbare“ Signalwirkung für die Kirche. Alexander mit seinem Weltbeherrschungsanspruch und Herodes durch den Bau eines Tempels. Sollte nicht auch die Botschaft „weltbeherrschend“ werden? Schuf Alexander so nicht bereits ein anerkennenswertes „Ausbreitungsgebiet“ beziehungsweise eine unhinterfragte Legitimation, anderen seinen Willen aufzuzwingen und andere zu unterwerfen? Eine Sichtweise, mit der man sich auch einmal auseinander setzen könnte – auch wenn allein die räumliche Ausdehnung dieses Reiches für Größe spricht. Bei anderen Herrschern, wie Attila, Dschingis Khan oder Montezuma kam oder käme natürlich (!?) niemand auf die Idee von „Größe“ zu sprechen, obwohl deren Reichsgrößen doch genauso diesen Schluss zuließen.

Wie sollte man sich gerade bei Herodes jedoch „Größe“ rechtfertigen? Nach dem Neuen Testament soll er doch dem göttlichen Erlöser nach dem Leben getrachtet haben. Und dass soll ihm dann nach römisch-christlicher Sichtweise diesen Titel eingebracht haben? Und hat er nicht sogar seine Frau und Söhne umbringen lassen? War er gar bei seinem Volk – den Juden ob seiner Staatsführung beliebt? Die Gründe für seine „Größe“ müssten eigentlich verwundern. Aber nicht ganz, wenn man römische Religion richtig versteht: Die Macht der Kirche wird allemal höher bewertet als z.B. Aussagen ihres angeblichen Religionsgründers. Man nehme nur seine Botschaft der „Nächstenliebe“ oder Aussagen zu „Reichtum“. Nichts, was die Kirche von ihrer Einschätzung abgebracht oder erst gar nicht dahin hätte bringen lassen dürfen. Doch nein, allein das Schaffen eines steinernen Zeugnisses für den Glauben (Neubau des seit rund über 500 Jahren zerstörten Tempels in Jerusalem) war seine kirchlich wohlgefällige „Großtat“. Dass Jesus aufgrund seiner Botschaft vom kommenden und unmittelbar bevorstehenden Gottesreich weder eine Kirche, und schon gar keine gegen das Judentum und auch keine „steinernen“ oder sonstigen weltlichen Symbole oder Priesterschaft hätte einsetzen wollen – was interessiert das die Kirche? Hier wie auch bei anderen streicht man die oben skizzierten „Leistungen“ natürlich unter diesem Gesichtspunkt nicht groß heraus. Nein, man lässt die Menschen glauben, Glaubensförderung und Kirchenförderung entspreche einer allgemein anzuerkennender „Größe“. So kommt man auch als Mörder – oder nach christlicher Sichtweise – auch als versuchter Mörder dennoch zu „Größe“.

Mag man bei den beiden vorgenannten Herrschern noch Zweifel an der Schlüssigkeit hegen, so sollten diese spätestens bei Konstantin ihr Ende finden. Inzwischen ist allen, die sich ideologiefrei dieser Person nähern, klar, was dies wohl für eine Persönlichkeit gewesen sein muss. Welche letztlich mag sicherlich noch strittig sein, aber sie war definitiv nicht die als die sie durch die Kirche und ihrer Wertschätzung zu sein scheint. Auch er natürlich Mörder von Frau und Söhnen – von tausenden anderen und von sonstigen Opfern seiner Machtgier mal ganz zu schweigen. Verfassungsfeind und Verfassungsbrecher, Kriegstreiber und Menschenfeind sind lediglich harmlose Umschreibungen. Aber seine „Größe“ wurde durch das Konzil von Nicäa 325 und dem folgenden Sieg des römischen Glaubens „begründet“. In theologischer Sicht kann man gar nicht genau sagen, ob man das alles ihm oder nicht vielmehr einer verlogenen Kirche zu verdanken hat. Konstantin wollte als oberster Herrscher – wie alle unmittelbaren Kaiser vor ihm – als „Gott“ verehrt werden. Das war aber aufgrund des bereits entstandenen Christentums nur durch dessen Vereinnahmung möglich. „Christentum“ ist natürlich schon eine eklatante Ungenauigkeit. Denn genau darum ging es ihm ja als oberstem Priester des römischen Reichs (Ponifex maximus – der Titel, den sich später die Päpste anmaßten): Die Streitereien unter Christen – Ist/war Jesus Gott oder doch nur mehr Halbgott oder gar nur Mensch? Er (!) und nicht einer der willfährigen Bischöfe (von einem Papst in Rom war eh noch nicht die Rede) oder deren Mehrheit bestimmte, dass Jesus Christus ein Gott gewesen sein soll. Die Kirche machte ihn später zum „Christen“. Aber er verstand jeglichen Glauben nur instrumental. Er (!) ließ sich als Gott, als Sol invictus (als Sonnengott des Mithras-Kultes) darstellen. Auf Triumphbögen und auch auf seinen Münzen war es er, und nicht dieser Statthalter-Gott, der abgebildet wurde. Er fungierte als Gott – auch für die sogenannten Christen. Als durchaus passend mag man es deshalb ansehen, dass er auf dem Sterbebett allenfalls „arianisch“ getauft wurde, also genau nach dem Glauben, den er – und damit die folgsamen Bischöfe – auf dem historischen Konzil von Nicäa zur verdammungswürdigen Irrlehre erklärt hatten. Aber seine „Größe“ hat er sich redlich verdient, indem er den Bischöfen Steuerfreiheit gewährte, „christliche“ Kirchen bauen ließ, ihnen „staatliche Aufgaben“ übertrug und eben dank seiner kaiserlichen Herrschaftsbefugnis und Macht keinen Zweifel daran ließ, dass der römisch-christliche Glaube der einzig richtige sei. Seine „Größe“ verdankte er natürlich auch Jahrhunderte lang der Fälschung, die in seinem Namen die weltliche Stellung der Kirche im Westreich – und damit den Kirchenstaat – begründete. Diese absurde und erst im 16.Jahrhundert als Fälschung erkannte „Übertragung“ gilt dennoch faktisch bis heute. Ohne diese gigantische Fälschung gäbe es schließlich überhaupt nichts, was der Kirche überhaupt weltliche Herrschaft „zubilligen“ würde. Niemals wäre einem Konstantin, so wie er sich nach der Forschung darstellt, auch nur im Traum eingefallen, der „Kirche“ herrschaftliche Rechte und gar das Westreich „abzutreten“. Über tausend Jahre war die Kirche dazu da, um Herrschaft zu legitimieren. Erst dann kam sie auf die Idee sich selbst über die Herrscher zu erheben. Und diese Anmaßung wird schließlich bis heute auch von Politikern respektiert (vgl. Thema Beschneidung; Staatsfinanzierung der Kirchen etc.) Das ist nicht die einzige Lüge, die bleibende Realitäten geschaffen hat. 

Auch Otto war kein „Wohltäter“. Das wäre für damalige Verhältnisse dann doch zu viel verlangt. Er war wie andere – war jedoch König und Kaiser und hatte die entsprechende Macht. Allerdings lehrte ihn die Erfahrung mit seinen Verwandten und dem Hochadel, dass er seine Macht „anders aufstellte“, in dem er sich zunehmend auf den Klerus stützte und dort dem Adel Pfründe zukommen ließ. Er belehrte den Papst zwar (wieder), dass er als Kaiser über ihm stünde – aber das war bald wieder „vergessen“, so dass man diese „Sünde“ schon aufgrund des späteren Erfolges dann leichten Herzens verzeihen konnte. Hauptsache es gab neue Bistümer und neue Pfründe für die klerikalen Amtsträger. Er bereitete unwiederbringlich den „weltlichen“ Aufstieg der Kirche im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen vor. Und das ist eben seine „Größe“.

Auch Karl stellte sich ganz in den Dienst der Kirche. Als Vater Europas wird er angesehen – dabei ging es ihm um die Mehrung fränkischer Macht. Auch er ein vertragsbrüchiger, gewalttätiger und rücksichtsloser Herrscher. „Väter“ wie man sie nicht noch verherrlichen sollte. Er vernichtete die Sachsen, jedenfalls ihre Eigenständigkeit, ihren Glauben und nicht zuletzt tausendfach die Menschen. Bei seinem erfolglosen „Ausflug“ nach Spanien, ließ er übrigens – wohl aus Frust, wie man heute sagen würde - eine christliche Stadt zerstören und deren Bewohner größtenteils umbringen. Es waren dann christliche Basken und keine „Sarazenen“ die seine Nachhut auf dem Rückzug überfielen und sich so für Karls Verbrechen rächten. So viel muss noch gesagt werden. Generell kann man nur sagen, seht genau hin, wem ihr „Größe“ zubilligt. Übernehmt nicht die oft klerikal eingefärbte und beschönigte Wertung. Und allergrößtest Misstrauen wäre angesagt, wenn ein einziger (!) klerikal-parteilicher „Biograph“ wie Einhard oder gar ein „Selbst-Biograph“, wie ein Paulus, ihre bzw. die Großtaten eines Wohltäters „unters Volk bringen“. Dieses Misstrauen sollte bei allen „Großen“ gelten. Jeder von uns wäre entsetzt, wenn er unter der Herrschaft eines dieser „Großen“ leben müsste. Und das verlogenste dabei ist ja, dass man sich mit „Zeitgeist“, „heutigen Maßstäben“ und ähnlichem aus dem Verbrechens-Sumpf herauslügen will. Nein, diese bestimmten, was „Sache war“, nicht als Mitläufer, sondern als Gestalter. Und da hilft kein Zeitgeist – und keine heutige (!) Größe.

Papst Gregor der Große; Papst Leo der Große
Bei diesen beiden Päpsten kann jede/r selbst in Wikipedia nachlesen, was wohl ihre Größe ausmachte – siehe dazu meine einleitenden Bemerkungen. Da es sich um Päpste handelt, dürfte die „Parteilichkeit“ dieser Wertung allerdings schon so nahe liegen, dass es keines gezielten Hinweises auf den Hintergrund mehr bedarf. Schließlich handelte die Kirche bis heute nie im Interesse der Menschen, sondern stets nur in ihrem ureigensten. Dazu muss man sich nur die Verflechtungen von Kirche und Herrschern, Diktatoren, Faschisten und Nationalsozialisten ansehen, um dies drastisch zu belegen. Näheres kann ich mir hier deshalb ersparen.

Generell kann man diese Wertungen über die „Großen“ immer auf einfache Weise bei Wikipedia nachlesen oder diesen nachspüren, so dass ich auf spezielle Hinweise/Links verzichten möchte und kann. So kann sich heute jeder selbst schon auf einfachste Weise ein Bild von „Größe“ machen und prüfen, was vielleicht wirklich dahinter steckt. Auch wenn man durch persönlichen Erkenntnisgewinn, die Welt „nicht ändert“, man kann oder sollte sich dennoch eines persönlichen Erkenntnisgewinns befleißigen. Wozu denn hat ein Mensch überhaupt seinen Verstand?


Fazit:
Meine Anregungen möchte ich hiermit auch abbrechen. Worauf es mir ankam, war, deutlich zu machen, dass wir alle so sozialisiert sind, dass wir oft selbst nicht einmal mehr merken, wie sehr wir durch unsere eigene Wortwahl am verstandesmäßig Abgelehnten oder Abzulehnenden durch Unwissenheit oder eben Unachtsamkeit festhalten und dieser Fantasie-Welt neuen „Wirklichkeitssinn“ verleihen. Achte auf deine Worte und auch einmal auf die eines anderen:

Wolltest du oder er/sie wirklich das so sagen, was gesagt wurde?


Wer aufrichtig über Religionen schreibt, kann gar nicht oft genug „Anführungszeichen setzen“ oder ein „angeblich“ oder „vermeintlich“ in seine Sätze einbauen. Wenn viele und auch ich es dennoch nicht in diesem Maße tun, dann nur um eine zügigere Lesbarkeit zu erhalten, und auch nur in der Hoffnung, dass sich die/der Leser/in dann selbst die Mühe der zu setzenden Ergänzungen macht und so die Wahrheit bewusster im Auge behält.

Roland Weber